Improtheater trifft auf Mental Load
- LANA
- vor 3 Tagen
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Im Rahmen unserer LANA Events am 23. Juni wurde das oft unsichtbare Thema Mental Load mithilfe von Improvisations Theater sichtbar gemacht und auf die Bühne gebracht. Jen beschreibt uns ihre Eindrücke vom Event.
Mit dem Thema Mental Load hatte ich bereits Berührungspunkte. Ich besuchte schon Workshops wie „Kopf frei – Mental Load reduzieren“ und auch in den Kernteam-Treffen haben wir uns heuer intensiv damit beschäftigt. Umso aufgeregter war ich, dieses Thema einmal in einer ganz anderen Form zu erleben, besonders, weil es mich als Mama einer zweijährigen Tochter auch im Alltag ständig begleitet. Kurz vor der Veranstaltung saß ich noch im Bus und fragte mich: Was genau ist eigentlich Improtheater? Es war für mich neu und so schaute ich mir auf YouTube ein paar kurze Szenen an und verstand, dass vieles erst im Moment passiert und die Szenen mithilfe von Publikum ganz individuell kreiert werden. Das hat mich noch neugieriger gemacht.
Rollenbildern bewusst werden

Gleich die erste Szene im Improtheater griff die bekannte Situation aus dem Comic „Du hättest doch bloß fragen müssen“ von Emma auf. Eine Mutter bereitet das Abendessen vor und muss sich gleichzeitig um das Kind kümmern, während der Vater gemütlich Fußball schaut. Gleichzeitig kommt eine Freundin zu Besuch und gerät mitten in diese angespannte Familiensituation. Als Mama fühlte sich diese Szene erschreckend real an. Oft konkurrieren im Alltag unsere unterschiedlichen Rollen und die damit verbundenen Bedürfnisse miteinander. Man wünscht sich, dass der Partner von selbst sieht, wie viel gerade zu tun ist und selbstverständlich - ohne ständig nachfragen zu müssen - mitanpackt. Gleichzeitig möchte man den Kindern aufmerksam und bedürfnisorientiert begegnen, ruhig und gelassen bleiben und ja der Freundin ebenfalls Zeit schenken, zuhören und sich austauschen. So viele Rollen, so viele Erwartungen und Bedürfnisse, die scheinbar alle gleichzeitig erfüllt werden wollen.
Im Anschluss wurde gemeinsam besprochen, was wohl in den Köpfen der drei Personen vorgeht. Die Mutter wirkt überfordert und erschöpft, die Freundin fühlt sich unwohl und der Vater scheint sich der Situation gar nicht bewusst zu sein. Ja da kann man gleich den Papa verteufeln, oder? Aber gleichzeitig wurde deutlich, dass auch er möglicherweise einen anstrengenden Arbeitstag hinter sich hat und sich einfach nach Ruhe sehnt. Es wird einem bewusst, wie wichtig es ist, miteinander zu kommunizieren und gemeinsam Verantwortung zu tragen.

In einer weiteren Szene befanden wir uns im Arbeitsalltag. Zwei Kolleginnen sitzen vor ihrem Computer und die eine Kollegin übermittelt der anderen einen Arbeitsauftrag, der bis Montag fertiggestellt werden muss. Als Publikum konnten wir in die Szene eintauchen und die Gedanken der Akteurinnen aufzeigen. Beispielsweise, welche weiteren ToDos sich im Kopf der Akteurinnen noch ansammeln: der Geburtstag von Oma, ein Arzttermin etc. Mit jeder neuen Aufgabe wurde ihr innerer Druck größer. Dadurch wurde eindrucksvoll sichtbar, was Mental Load eigentlich bedeutet. Von außen sieht man oft nur eine gestresste Person. Was jedoch gleichzeitig im Kopf passiert, bleibt meist im Verborgenen.
Wer kümmert sich?
Eine weitere Szene zeigte eine Frau, die krank zu Hause ist. Eigentlich wäre jetzt
Zeit, sich auszuruhen und gesund zu werden. Doch stattdessen kreisen ihre
Gedanken um die Arbeit, die Kinder und all die anderen Aufgaben, die noch erledigt
werden müssen. Immer wieder kamen - eingebracht durch uns als Publikum - neue
Aufgaben hinzu, um die sie sich vermeintlich kümmern sollte. So wurde die unsichtbare
Last im Kopf eindrucksvoll sichtbar. Besonders berührt hat mich der Satz der Hauptfigur zum Schluss: „Ich hätte doch besser in die Arbeit gehen sollen, dort hätte ich mich besser erholt!“ Ein Satz, der zunächst zum Schmunzeln anregt, aber gleichzeitig erschreckend wahr sein kann. Gerade als Mutter fühlt sich ein Krankenstand oft alles andere als erholsam an. Während man in der Arbeit meist eine klar definierte Aufgabe hat, warten zu Hause unzählige Care-Arbeiten: sich um die Kinder kümmern, den Haushalt organisieren, an Termine denken und vieles mehr. Die Szene ließ mich mit einer wichtigen Frage zurück: Wer kümmert sich eigentlich um mich? Wer sorgt einmal für mich? Selbst wenn Frauen krank sind, geraten viele automatisch wieder in die Rolle derjenigen, die für alle anderen da sein muss. Genau diese Selbstverständlichkeit machte die Szene sichtbar.

Besonders nachdenklich machte mich auch die Szene rund um ein Ehepaar mit einem kranken Kind. Beide Elternteile haben wichtige berufliche Verpflichtungen, doch plötzlich muss jemand das Kind aus dem Kindergarten abholen. Das Publikum durfte mitentscheiden, wie die Situation weitergeht. Anschließend wurden verschiedene Varianten vorgespielt: Wenn die Mutter übernimmt, wenn der Vater übernimmt und wie eine partnerschaftliche Lösung aussehen könnte. Dabei wurde humorvoll, aber auch kritisch gezeigt, dass der Vater nicht einmal wusste, wo das Fieberthermometer liegt oder wer die Kinderärztin ist. Es wurde deutlich, wie wichtig es ist solche Aufgaben bereits im Vorhinein gemeinsam zu planen.
Eine weitere Szene im Mental Load Improtheater zeigte eine partnerschaftliche Diskussion. Die Mutter des Mannes hat bald Geburtstag und bittet ihn um einen Geburtstagskuchen. Im Laufe der Szene wurde die Verantwortung für diese Aufgabe ganz unbewusst auf die Partnerin übertragen. Sie bekommt das Gefühl, die Rolle der perfekten Schwiegertochter erfüllen zu müssen und besorgt den Kuchen. Dabei wurde eindrucksvoll gezeigt, auf wie viele Dinge sie Rücksicht nimmt: die verschiedene Allergien der Familienmitglieder, die Wünsche der Schwiegermutter und den Anspruch, alles richtig machen zu wollen.

Im anschließenden Austausch beschäftigte uns die Frage: Was wäre, wenn man einmal bewusst gegen den Strom schwimmt? Was wäre, wenn man nicht selbst den perfekten Kuchen backt, um allen Erwartungen gerecht zu werden, sondern einfach einen Kuchen aus der Bäckerei mitbringt? Was wäre, wenn man das Risiko eingeht, vielleicht nicht die „perfekte Schwiegertochter“ zu sein? Die Szene zeigte auf nachdenkliche Weise, wie oft wir versuchen, es allen recht zu machen und dabei manchmal vergessen, unsere eigenen Bedürfnisse und Grenzen wahrzunehmen.
In der letzten Szene gestalteten wir einen WhatsApp-Chat live auf der Bühne. Innerhalb einer Freundesgruppe sollte eine gemeinsame Urlaubsreise geplant werden. Es zeigte auf eine lustige Weise wie schnell die Organisation einer scheinbar einfachen Gruppenreise zur mentalen Belastung für die planende Person werden kann.
Mein Fazit zum Mental Load ImproTheater
Insgesamt war der Abend für mich eine spannende, lehrreiche und emotionale Erfahrung. Die Schauspielerinnen und Schauspieler schafften es, Gefühle wie Frust, Wut, Überforderung und Verzweiflung so authentisch auf die Bühne zu bringen, dass sie im Publikum deutlich spürbar wurden. Gerade weil Mental Load häufig unsichtbar bleibt, war diese Form der Darstellung besonders eindrucksvoll und hat eine ganz andere Wirkung für mich als nur ein frontaler Vortrag. Zwischen den Szenen fand ein offener und vertrauensvoller Austausch statt, der für mich eine wundervollen Atmosphäre schuf,
in der unterschiedliche Erfahrungen und Gedanken Platz hatten.



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