Warum Frauen noch immer weniger Pension bekommen...
Gemeinsam mit der Robert Jungk Bibliothek und Daniela Schwaiger durften wir am 31. August eine Diskussion für die Montagsrunden organisieren.
Die Montagsrunden der Robert Jungk Bibliothek sind ein fester Anlaufpunkt für spannende Diskussionen und Wissensvermittlung. Darum hat es uns sehr gefreut mit dem LANA Kernteam eine solche Runde mitgestalten zu dürfen – zu einem Thema, das uns allen sehr am Herzen liegt: Frauen und Pension in Österreich. Als Expertin und Sprecherin begrüßten wir Daniela Schweiger von Frau & Arbeit – sie studierte Wirtschaftswissenschaft und ist aktiv im Bereich der Frauenbildung - bei Frau & Arbeit betreut sie Frauen im Alter 45+ und blickt auf sehr viel Erfahrung in Beratungsgesprächen zurück.
Nach einem kurzen Einstieg von uns, darüber was LANA ist und was wir tun, ging es dann auch los mit einer kurzen Umfrage. Um einen Einblick in den Wissensstand des Publikums zu bekommen, starteten wir eine Mentimeter Umfrage. Die Zuschauer:innen beantworteten grob wie weit sie es noch zur Pension hatten und wie gut sie sich bisher mit dem Thema auskennen. Die meisten Montagsrunden werden auch im Stream übertragen, damit man von zuhause aus zusehen kann. Man kann also auch so folgen und teilnehmen – in der Diskussion nach dem Vortrag werden zuerst Fragen aus dem Chat online behandelt und dann folgt eine Diskussion der Teilnehmer:innen vor Ort.

Wie funktioniert das in Österreich mit der Pension
Im Vortrag bekamen wir eine gute Einführung über die Voraussetzungen einer Pension. Nicht jeder:r bekommt automatisch eine Pension – man muss 15 Jahre gearbeitet haben und davon 7 Jahre mindestens über der Geringfügigkeitsgrenze verdient haben, um in Österreich Anspruch auf eine Pension zu bekommen. Außerdem kann man derzeit (eventuell wird das Alter sich in den nächsten Jahren verändern) erst mit 65 Jahren bei der Pensionsversicherungsanstalt einen Antrag auf eine Pension stellen.
Wie viel Pension bekommt man?

Wie viel Pension man bekommt, hängt davon ab, wie viel man über die Jahre eingezahlt hat. Das jährliche Bruttogehalt mal 1,78% ist die jährliche Beitragssumme, wenn man mehr als geringfügig gearbeitet hat. Für Zeiten in denen man nichts verdient hat (Arbeitslosigkeit, Pflege von Angehörigen, Kindererziehung) kann man eine Gutschrift erwerben, um weiterhin etwas einzubezahlen. Je mehr Versicherungsmonate man hat – also je länger man mit dem Gehalt ins Pensionskonto einzahlt - desto mehr Pension bekommt man am Ende.
Wenn man sich hauptsächlich zuhause um die Kindererziehung kümmert, kann man pro Kind 4 Jahre Gutschrift für die Pension bekommen. Was viele Paare leider nicht wissen, ist dass man auch Pension splitten kann. Dabei kann der erwerbstätige Partner dem anderen Partner, der sich zuhause um die Kinder kümmert, etwas von der eigenen Pension übertragen.
Warum bekommen nun Frauen noch immer weniger Pension als Männer?

Leider gibt es noch immer den Gender Pay Gap – das bedeutet, dass Frauen im Schnitt weniger als Männer verdienen. Traditionelle Frauenberufe werden weniger gut entlohnt als Frauenberufe, deshalb haben Frauen am Ende weniger Pension, weil sie weniger Bruttogehalt haben.
Auch der Gender Care Gap spielt eine große Rolle – Frauen leisten mehr unbezahlte Care Arbeit im Haushalt. Sie kümmern sich um das Essen, den Einkauf und die Hausarbeit – und verdienen damit kein Geld. Vor allem Frauen, die in Teilzeit beschäftigt sind, weil es sich sonst mit dem Haushalt und den Kindern nicht ausgeht, verdienen am Ende deutlich weniger für mehr geleistete Arbeit.
Frauen unterbrechen auch häufiger ihre Karriere aufgrund von Kindererziehung und Betreuungszeiten – das ist ein großer Karriereknick – denn sie kehren dann in Teilzeit an den Arbeitsplatz zurück und erhalten nachher weniger Gehalt.
Die Summe dieser Gaps gipfelt im Gender Pension Gap - nimmt man alle erwerbstätigen Personen Frauen und Männer im Vergleich – dann verdienen Frauen rund 33% weniger als Männer in ihrem Leben. Rechnet man die Teilzeitkräfte weg, verdienen bei den Vollzeitkräften Frauen 12 % weniger als Männer.

Innerhalb der Bundesländer gibt es Unterschiede wie hoch dieser Gap ist – das kommt dadurch zustande, dass es in ländlichen Gegenden auch weniger Betreuungsangebote und Unterstützung für Kinder und Familien gibt. In der Großstadt Wien ist dieser Gap meist etwas kleiner.
Österreich ist in der EU sogar auf Platz 2 was die Höhe des Gender Pension Gaps angeht – in fast allen anderen Ländern wird aktiv versucht diesem Trend entgegen zu wirken und Frauen besser zu fördern.
Karriereknick durch Teilzeit?
Nach dem ersten Kind gehen viele Frauen in Karenz (Väter gehen in Österreich kaum in Karenz – nur ca 16% - Österreich ist damit EU Schlusslicht) und arbeiten dann in Teilzeit. Dadurch sinkt das Gehalt vom vorherigen Verdienst und erreicht statistisch nie wieder das selbe Niveau wie vor der Schwangerschaft.
Die Teilzeitquote bei Frauen sind 51%, bei Männern 12%. Frauen sind in Teilzeit, weil sie Kinder oder Familienangehörige betreuen, bei Männern ist es eher wegen Ausbildung oder Krankheit, oder man findet keine Vollzeit Anstellung.
Die staatliche Kinderbetreuung ist ein großes Thema, das hier Ausschlag gibt – außerhalb Wiens ist nur jeder 4. Kindergartenplatz mit der Vollzeitarbeit der Mutter vereinbar, die meisten Kindergärten sind nur halbtags in Betrieb. Man kann jedoch sehen: Dort, wo die Betreuungseinrichtungen länger geöffnet sind, ist der Gender Pay Gap geringer – zum Beispiel in Wien
Kindergärten sind außerdem in den meisten Bundesländern kostenpflichtig, weshalb sich viele Familien entscheiden, die Kinder erst später in den Kindergarten zu schicken
Altersarmut ist weiblich
All das zeigt, dass vor allem Frauen in Österreich mit einer sehr geringen Pension und damit mit Altersarmut kämpfen.
Was kann man also tun, um Altersarmut entgegen zu wirken?
Bewusst Verantwortung für die eigene Pension übernehmen, vor allem als Frau: in den meisten Fällen ist die staatliche Pension nicht ausreichend, deshalb sollte man:
Wissen wie das Pensionssystem funktioniert – was bringt Vorteile, was Nachteile
In das eigene Pensionskonto hineinsehen, um zu wissen, wie viel Pension einem zusteht und gegebenenfalls etwas dazu sparen, wenn es zu wenig sein sollte oder eine private Pensionsvorsorge starten
das eigene monatliche Budget bewusst verwalten und etwas ansparen
Gehalt aktiv verhandeln, Beförderungen verhandeln, um mehr Bruttogehalt zu bekommen
Was in der Partnerschaft wichtig ist, um Altersarmut zu vermeiden:
in der Partnerschaft sollte offen über Geld gesprochen werden und auch Möglichkeiten für Kinderbetreuung und Care Arbeit sollten fair aufgeteilt werden
Möglichkeiten wie Pensionssplitting in Anspruch nehmen und Vermögen gerecht aufteilen wenn man Kinder bekommt
Care arbeit sichtbar machen - wer sich mehr um den Haushalt und Pflege kümmert – sollte vom erwerbstätigen Partner dafür finanziell entlohnt werden
Was die Gesellschaft gegen Altersarmut tun kann:
traditionelle Rollenbilder sollten hinterfragt werden – auch Männer sollten eine Chance auf Karenz und Pflegezeiten in Anspruch nehmen, um den Frauen mehr Erwerbsarbeit zu ermöglichen
Vereinbarkeit von Beruf und Familie sollten in jeder Firma besser ermöglicht werden
Care arbeit aufwerten und (besser) bezahlen
Systemrelevante Berufe sollten besser entlohnt werden, weil darin meist sehr viele Frauen arbeiten (Pflege, Bildung, Kinderbetreuung,..)
Was sollte die Politik gegen Altersarmut tun:
Kinderbetreuung soll ausgebaut werden, damit es Frauen ermöglicht wird mehr zu arbeiten, wenn sie dies möchten* Karenz sollte gleichberechtigt gestaltet werden
Lohn- und Gehaltstransparenz sollte geschaffen werden, um sicherzustellen, dass Frauen im gleichen Job wie Männer das selbe Gehalt bekommen
Ausbau der Pflegeangebote und Aufwertung des Sozialbereichs
Bewusstsein schaffen – in Schulen unterrichten wie der Sozialstaat funktioniert
Im Anschluss an diese wichtigen Informationen zeigte Daniela einige Beispiele aus der Realität der Beratung - Fallbeispiele von verschiedenen Personen mit unterschiedlichen Hintergründen und die Höhe ihrer Pensionen - um das Ganze noch anschaulicher nachvollziehen zu können. Darauf folgten viele Fragen aus dem Publikum und eine spannende Disksussion.
Wir danken Daniela Schweiger für diesen wichtigen und wunderbaren Vortrag, sowie der Robert Jungk Bibliothek für die Bereitstellung der Plattform für dieses wichtige Thema und hoffen, dass wir viele Frauen mit diesem Wissen erreichen konnten!




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